Fachstelle Extremismusdistanzierung

Unser Team

Mathieu Coquelin
Leitung
Derya Şahan
Fachreferentin
Vianka Marrero
Assistenz

Unser Angebot

Seit 2015 verantwortet Mathieu Coquelin den Aufbau der Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) im Demokratiezentrum Baden-Württemberg im Auftrag der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit / Streetwork Baden-Württemberg e. V. (LAG) – dem Fachverband für das Arbeitsfeld Mobile Jugendarbeit. Das Team wurde 2016 um Derya Şahan erweitert.  Sie bringt im Kontext religiös begründeter Radikalisierung ihre Islamwissenschaftliche Perspektive gewinnbringend mit ein. Seit 2020 ist Frau Marrero Fonseca als Projektassistenz vor allem für buchhalterische und Aufgaben der Verwaltung eine wichtige Ergänzung im wachsenden Portfolio der Fachstelle.

Im Zusammenhang mit Radikalisierungsprozessen liegt im Arbeitsansatz ein klarer Fokus auf die Sicht der Sozialarbeit. Dabei bildet die Erfahrung der LAG aus der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen, ein aufsuchendes Verständnis und der akzeptierende Ansatz ein wichtiges Fundament. Das Team verfolgt einen phänomenübergreifenden Ansatz und hat dabei besonders individuelle Deprivationserfahrungen im Blick. Gerade nationalistische, aber auf vermeintlich religiöse Quellen rekurrierende Ideologien instrumentalisieren erlebte oder gefühlte individuelle Benachteiligungserfahrungen in ihren Narrativen. Diese zu erkennen und im Rahmen pädagogischer Arbeit demokratiefördernd zu bearbeiten ist zentraler Ansatzpunkt der Fachstellenarbeit.

Die Fachstelle arbeitet dabei entlang eines klassischen Dreisatzes aus: Erkennen – Deuten – Handeln. Hierfür wurden unterschiedliche Formate entwickelt und seit 2015 fortlaufend entsprechend der gesamtgesellschaftlichen Diskurse weiterentwickelt. Das Angebotsportfolio reicht von Vorträgen zu Radikalisierungsprozessen und dem Erstellen von Arbeitsmaterialien über die Konzeption von reproduzierbaren Workshop-Formaten in den Themenfeldern Rassismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit bis hin zu dezidierten Publikationen zur Arbeit im Kontext des Neosalafismus und dessen popkulturellen Dimensionen. Außerdem zählen Beratungsleistungen für pädagogische Fachkräfte und ehrenamtlich Tätigen in der Verbands- und Vereinsarbeit dazu.

Ziel ist es pädgogische Fachkräfte im Themenfeld von politischem oder religiösem Extremismus, Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und eventuell damit verbundener Gewalt in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken.

Seit März 2020 hat die Fachstelle intensiv an der Ausarbeitung digitaler Angebote gearbeitet. Ein Einblick gibt ein Videobeitrag eines Onlineformates mit dem Beauftragten gegen Antisemitismus des Landes Baden-Württemberg Dr. Michael Blume zum Thema „Verschwörungsmythen | Bedrohung für uns alle?!“


Unsere Modellprojekte im Rahmen von Demokratie leben!

Radikalisierungsprävention in Wissenschaft und Praxis – Ein Transfermodell

Zielstellung

Das Modellprojekt hat zum Ziel, Theoriemodelle, die Radikalisierungsverläufe und -faktoren beschreiben in Handlungsmodelle zu transferieren. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Stärkung der Handlungsfähigkeit von Studierenden, die in ihrem pädagogischen Wirken mit Jugendlichen und Heranwachsenden innerhalb der Regel- und Hilfestrukturen arbeiten. Die Auseinandersetzung mit der präventiven und intervenierenden Bearbeitung von Anzeichen ideologischer Radikalisierung bzw. einzelner Ideologiefragmente im pädagogischen Alltag ist ein dabei ebenfalls essentiell. Diese Handlungsmodelle und -methoden sollen phänomenübergreifend anwendbar sein und auf pädagogischen und weiteren fachlichen Kompetenzen derjenigen Personen, die mit den Zielgruppen arbeiten, aufbauen.

Ausgangslage

Im wissenschaftlichen Diskurs wurden in den letzten Jahren vermehrt Theoriemodelle diskutiert, die Radikalisierungsprozesse und diese Prozesse auslösenden Faktoren beschreiben. Allzu oft erhalten jedoch Erkenntnisse aus der Radikalisierungsforschung nicht direkt Einzug in die Konzeption von Präventionsangeboten und -projekten, weil der Übertrag in ein anwendbares Handlungsmodell bzw. eine entsprechende Methodik fehlt. Darüber hinaus wurde von unterschiedlichen Seiten darauf hingewiesen, dass vor allem die Arbeit im Bereich der sekundären Prävention und der Distanzierungsarbeit in besonderem Maße auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauen sollte, gleichzeitig jedoch die Anschlussfähigkeit an Kompetenzen pädagogischer Fachkräfte, die in den Regelstrukturen die entsprechenden Zielgruppen erreichen, gewährleistet sein muss.[1]

Aus dieser Notwendigkeit heraus möchte dieses Modellprojekt die Übertragbarkeit wissenschaftlicher Forschung in anwendbare pädagogische Handlungskonzepte überführen.

Vorgehen

Das Modellprojekt wird gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Form eines Moduls im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit am Standort Stuttgart umgesetzt.

[1] Vgl. z.B. Ostwaldt und Coquelin (2018): Radikalisierung. Theoriemodelle für die Praxis. In: Forum Kriminalprävention, 2/2018, S. 10-13. Online verfügbar unter https://www.forum-kriminalpraevention.de/magazine/catalog_15350505/html5.html#/12.


Da.Gegen.Rede – Hatespeech erkennen und Umgangsmöglichkeiten erlernen
[2017 bis 2019]

Die Bewertung von Informationen in den Sozialen Medien ist nicht nur für Jugendliche oftmals nicht ganz einfach. Seit der Entstehung des Internets nutzen unterschiedliche radikale und extremistische Richtungen aktiv sämtliche digitalen Kanäle für ihre Propaganda. Für junge Erwachsene und Jugendliche ist es schwierig, die Gefahr durch Extremismus, Populismus und Aufrufe zu Gewalt und Hass aus allen Richtungen zu erkennen und diese dementsprechend zu reflektieren.

Da.Gegen.Rede ist ein Angebot der Sensibilisierung und Qualifizierung
für haupt-, neben- und ehrenamtlich Tätige in der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Jugendliche zur Stärkung im aktiven Umgang mit Hass im Netz.

Am 9. Oktober 2019 fand die Abschlussveranstaltung des Projekts Da.Gegen.Rede statt. Die Abschlussbroschüre liegt in gedruckter Form vor und kann bei der Fachstelle oder der LAG-Servicestelle bestellt werden.

… Da.Gegen.Rede Abschlussbroschüre (PDF)

… Erfahrungsbericht zu dem Modellprojekt Da.Gegen.Rede im Fachkräfteportal

Kooperationspartner im Projekt Da.Gegen.Rede waren die Jugendstiftung Baden-Württemberg und Türkische Gemeinde Baden-Württemberg.


Unsere Kontaktdaten

Hotline: 0800 2016 112
Email: fex@lag-mobil.de