Fachstelle Extremismusdistanzierung

Unser Team

Mathieu Coquelin
Leitung
Derya Şahan
Fachreferentin
Vianka Marrero
Assistenz
Julian Salzmann
Fachreferent
Karim Saleh
Fachreferent

Seit 2015 verantwortet Mathieu Coquelin den Aufbau der Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) im Demokratiezentrum Baden-Württemberg im Auftrag der Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit / Streetwork Baden-Württemberg e. V. (LAG) – dem Fachverband für das Arbeitsfeld Mobile Jugendarbeit. Das Team wurde 2016 um Derya Şahan erweitert.  Sie bringt im Kontext religiös begründeter Radikalisierung ihre Islamwissenschaftliche Perspektive gewinnbringend mit ein. Seit 2020 ist Frau Marrero Fonseca als Projektassistenz vor allem für buchhalterische und Aufgaben der Verwaltung eine wichtige Ergänzung im wachsenden Portfolio der Fachstelle. Karim Saleh und Julian Salzmann ergänzen das Fachreferent:innenteam seit Mai 2021.

Im Zusammenhang mit Radikalisierungsprozessen liegt im Arbeitsansatz ein klarer Fokus auf die Sicht der Sozialarbeit. Dabei bildet die Erfahrung der LAG aus der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen, ein aufsuchendes Verständnis und der akzeptierende Ansatz ein wichtiges Fundament. Das Team verfolgt einen phänomenübergreifenden Ansatz und hat dabei besonders individuelle Deprivationserfahrungen im Blick. Gerade nationalistische, aber auf vermeintlich religiöse Quellen rekurrierende Ideologien instrumentalisieren erlebte oder gefühlte individuelle Benachteiligungserfahrungen in ihren Narrativen. Diese zu erkennen und im Rahmen pädagogischer Arbeit demokratiefördernd zu bearbeiten ist zentraler Ansatzpunkt der Fachstellenarbeit.

Unser Angebot

Die Fachstelle Extremismusdistanzierung (FEX) ist Teil des Demokratiezentrums Baden-Württemberg.

FEX entwickelt präventive Ansätze im Feld des politischen und religiös motivierten Extremismus. Diese zielen auf die Stärkung der Handlungsfähigkeit im Umgang mit sich radikalisierenden jungen Menschen und richten sich an (sozial)pädagogische Fachkräfte und ehrenamtlich Tätige aus der Verbandslandschaft.

Doch wo beginnt Radikalisierung? Wie sehen Symbole von problematischen Akteur*innen aus? Wo endet Provokation und beginnen problematische Einstellungen? Warum sind extremistische Ideologien für junge Menschen attraktiv? Was sind mögliche Handlungsoptionen? Wo endet pädagogische Zuständigkeit?

Dieser Text gibt Einblick in unsere Angebote entlang des Dreiklangs:

Erkennen – Deuten – Handeln

Erkennen

  • Sie möchten mehr erfahren zu extremistischen Gruppierungen und deren Aktionsformen?
  • Sie möchten Ihre Wahrnehmung schärfen?

Der erste und damit wichtigste Schritt ist sich in die Lage zu versetzen Symbole und Verhalten erkennen zu können.

Sind das Hakenkreuz und die Flagge des so genannten Islamischen Staates noch einfach einzuordnen, erfordern das Erkennen von sprachlichen Codes oder die Namen von extremistischen ­Künstler*innen schon ein mehr an Wissen.

Um Sie hierfür zu sensibilsieren bieten wir Vortragsformate zu ausgewählten Phänomenbereichen an, die neben der offensichtlichen Symbolik in Wort und Bild auch Verhaltensweisen mit in den Blick nehmen.

Neben unseren Angeboten verweisen wir je nach Ziel und Zielgruppe gerne an etablierte Partner*innen im Land wie bspw. an die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg oder an das Kompetenzzentrum gegen Extremismus in Baden-Württemberg.

Deuten

  • Sie haben problematische Sachverhalte beobachtet?
  • Provokation oder Ideologisierung?
  • Was sollen Sie mit wem tun?

In der Fachwelt herrscht überwiegend Konsens, dass Weltanschauungen bei jungen Menschen noch nicht verfestigt sind. Dennoch dürfen abwertende Einstellungen nicht ignoriert werden.

Wann ist es Provokation? Wo sind problematische Weltanschauungen schon fortgeschritten? Was braucht der oder die einzelne Jugendliche, was die restliche Gruppe, welche Informationen die Fachkräfte? Welche Institutionen sind mit einzubinden, welche anderen Akteur*innen gibt es im Land?

  • Was passt am besten für Ihre Situation?

Unsere Beratungsleistungen unterstützen und begleiten, um hier die richtigen Antworten zu finden.

Handeln

  • Sie haben die Lösung vor Augen?
  • Sie wollen handeln?
  • Sie wollen konkrete Schritte planen?

Wir stärken Fachkräfte mit Qualifikationen, Vorträgen und Workshops in ihrer Handlungsfähigkeit. Wir vermitteln Methoden und Didaktik, um alltagseingelagert, präventiv und vor Ort wirken zu können.

Durch Schulungen in konkreten Workshop- und Modulformaten bieten wir ein breites Portfolio zur nachhaltigen Bearbeitung von Themen wie:

  • Benachteiligung und Diskriminierung
  • Rassismus
  • Hate Speech
  • Fake News und Verschwörungstheorien
  • Radikalisierungsprozesse
  • phänomenbezogene Inhalte
    (Rechtsextremismus, Populismus, Neosalafismus etc.)

Seit März 2020 hat die Fachstelle intensiv an der Ausarbeitung digitaler Angebote gearbeitet. Ein Einblick gibt ein Videobeitrag eines Onlineformates mit dem Beauftragten gegen Antisemitismus des Landes Baden-Württemberg Dr. Michael Blume zum Thema „Verschwörungsmythen | Bedrohung für uns alle?!“

Bei Interesse an weiteren Veranstaltungen von FEX -> abonnieren Sie unseren Veranstaltungsnewsletter.

Unser Flyer

zum Download als PDF


Unsere Modellprojekte im Rahmen von Demokratie leben!

Radikalisierungsprävention in Wissenschaft und Praxis – Ein Transfermodell

Zielstellung

Das Modellprojekt hat zum Ziel, Theoriemodelle, die Radikalisierungsverläufe und -faktoren beschreiben in Handlungsmodelle zu transferieren. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Stärkung der Handlungsfähigkeit von Studierenden, die in ihrem pädagogischen Wirken mit Jugendlichen und Heranwachsenden innerhalb der Regel- und Hilfestrukturen arbeiten. Die Auseinandersetzung mit der präventiven und intervenierenden Bearbeitung von Anzeichen ideologischer Radikalisierung bzw. einzelner Ideologiefragmente im pädagogischen Alltag ist ein dabei ebenfalls essentiell. Diese Handlungsmodelle und -methoden sollen phänomenübergreifend anwendbar sein und auf pädagogischen und weiteren fachlichen Kompetenzen derjenigen Personen, die mit den Zielgruppen arbeiten, aufbauen.

Ausgangslage

Im wissenschaftlichen Diskurs wurden in den letzten Jahren vermehrt Theoriemodelle diskutiert, die Radikalisierungsprozesse und diese Prozesse auslösenden Faktoren beschreiben. Allzu oft erhalten jedoch Erkenntnisse aus der Radikalisierungsforschung nicht direkt Einzug in die Konzeption von Präventionsangeboten und -projekten, weil der Übertrag in ein anwendbares Handlungsmodell bzw. eine entsprechende Methodik fehlt. Darüber hinaus wurde von unterschiedlichen Seiten darauf hingewiesen, dass vor allem die Arbeit im Bereich der sekundären Prävention und der Distanzierungsarbeit in besonderem Maße auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauen sollte, gleichzeitig jedoch die Anschlussfähigkeit an Kompetenzen pädagogischer Fachkräfte, die in den Regelstrukturen die entsprechenden Zielgruppen erreichen, gewährleistet sein muss.[1]

Aus dieser Notwendigkeit heraus möchte dieses Modellprojekt die Übertragbarkeit wissenschaftlicher Forschung in anwendbare pädagogische Handlungskonzepte überführen.

Vorgehen

Das Modellprojekt wird gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Form eines Moduls im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit am Standort Stuttgart umgesetzt.

[1] Vgl. z.B. Ostwaldt und Coquelin (2018): Radikalisierung. Theoriemodelle für die Praxis. In: Forum Kriminalprävention, 2/2018, S. 10-13. Online verfügbar unter https://www.forum-kriminalpraevention.de/magazine/catalog_15350505/html5.html#/12.


Da.Gegen.Rede – Hatespeech erkennen und Umgangsmöglichkeiten erlernen
[2017 bis 2019]

Die Bewertung von Informationen in den Sozialen Medien ist nicht nur für Jugendliche oftmals nicht ganz einfach. Seit der Entstehung des Internets nutzen unterschiedliche radikale und extremistische Richtungen aktiv sämtliche digitalen Kanäle für ihre Propaganda. Für junge Erwachsene und Jugendliche ist es schwierig, die Gefahr durch Extremismus, Populismus und Aufrufe zu Gewalt und Hass aus allen Richtungen zu erkennen und diese dementsprechend zu reflektieren.

Da.Gegen.Rede ist ein Angebot der Sensibilisierung und Qualifizierung
für haupt-, neben- und ehrenamtlich Tätige in der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Jugendliche zur Stärkung im aktiven Umgang mit Hass im Netz.

Am 9. Oktober 2019 fand die Abschlussveranstaltung des Projekts Da.Gegen.Rede statt. Die Abschlussbroschüre liegt in gedruckter Form vor und kann bei der Fachstelle oder der LAG-Servicestelle bestellt werden.

… Da.Gegen.Rede Abschlussbroschüre (PDF)

… Erfahrungsbericht zu dem Modellprojekt Da.Gegen.Rede im Fachkräfteportal

Kooperationspartner im Projekt Da.Gegen.Rede waren die Jugendstiftung Baden-Württemberg und Türkische Gemeinde Baden-Württemberg.


Unsere Kontaktdaten

Hotline: 0800 2016 112
Email: fex@lag-mobil.de