Eingeschränkte Öffnung der Angebote der Kinder- und Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit ab 2. Juni

Mit der aktuellen CoronaVO vom 26.05.2020 wird festgelegt, dass z.B. Jugendhäuser ab dem 02.06.2020 unter Auflagen wieder öffnen dürfen. Die Öffnung der Angebote umfasst Termine in Anlauf- und Beratungsstellen der Kinder- und Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit, feste Gruppenangebote, Angebote mit einer Laufzeit bis zu 24 Stunden und mehrtägige Angebote, bei denen die Übernachtung im jeweiligen eigenen Haushalt erfolgt.

Die genauen Auflagen hierzu sind in der heute veröffentlichten Verordnung zu finden.

Hier geht’s zur Pressemitteilung des Sozialministeriums. Weitere Schritte der Öffnung sind in Bearbeitung und werden zum 15.06. und 15.07. erwartet.

Was das für die Mobile Jugendarbeit heißt haben wir hier zusammengestellt:

Es ist uns völlig klar, dass mit der Verordnung wieder viele Fragen aufgeworfen werden, da es nicht möglich ist, jeden einzelnen Fall von vornherein zufriedenstellend zu regeln. Jede Einrichtung/ jeder Träger muss den eigenen Möglichkeiten entsprechend Lösungen zur Umsetzung finden.

Die beteiligten Akteur*innen haben zur Orientierung Empfehlungen zur Erstellung des erforderlichen Hygienekonzepts erstellt:

Wir stehen gern zur Erörterung von konkreten Fragestellungen zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich dafür am besten zuerst per Email an uns.

Solidarität bewahren! „Sozial benachteiligte & ausgegrenzte Menschen nicht aus dem Blick verlieren“

Positionspapier der Bundesarbeitsgemeinschaft
Streetwork/Mobile Jugendarbeit e. V.

Die Corona-Pandemie fordert Menschen mit denen Streetwork/ Mobile Jugendarbeit arbeiten in besonderem Maße durch den Wegfall von Ressourcen und bekannten Unterstützungsstrukturen und bringt sie leider auch oftmals ganz besonders in Gefahr, durch Armut, Wohnungslosigkeit oder bestehende Vorerkrankungen.

Umso wichtiger erscheint es uns, dass bestehende Angebote der Streetwork/ Mobilen Jugendarbeit wieder bzw. weiterhin arbeitsfähig sind, um Kontakte zu halten, Grundversorgung zu gewährleisten, gemeinsam Perspektiven zu entwickeln und lokal auch immer wieder die Bedürfnisse der Adressat*innen zu transportieren.

Unser Positionspapier macht daher aufmerksam auf die Situation von Menschen an die sich Streetwork/ Mobile Jugendarbeit richten, beschreibt die Arbeitsfähigkeit auch während der verordneten Kontaktbeschränkungen und betont die Relevanz der Arbeitsfelder sowie die Notwendigkeit einer ausreichenden und kontinuierlichen Finanzierung.

Mobile Jugendarbeit als Teil der Daseinsvorsorge

Nach unserem am 14.04.2020 veröffentlichten Blick auch den Arbeitsbereich aufsuchende Arbeit, stellte sich nochmals verstärkt die Frage, wie Träger*innen und Fachkräfte hier Handlungssicherheit erhalten können. Zusätzlich stellte sich in der Praxis auch die Frage nach Möglichkeiten, Einzelne im notwendigen Umfang zu unterstützen – auch im persönlichen Kontakt.

Mit diesen Fragen und der Darstellung der aktuellen Handlungserfordernisse sind wir auf das Ministerium für soziales und Integration zugegangen und freuen uns, dass hier Klärungen soweit möglich erzielt werden konnten:

„Mobile Jugendarbeit ist daher insoweit als Teil der Daseinsvorsorge gem. §3 (3) Nr.1 der Corona-Verordnung BW anzusehen, als sie einzelfallbezogene Aufgaben im Bereich der operativ tätigen Jugendhilfe wahrnimmt. Damit ist sie grundsätzlich von den allgemeinen Aufenthaltsbeschränkungen und dem Verbot von sonstigen Ansammlungen gamäß §3 Corona-Verordnung BW ausgenommen.“

Deshalb stellt Streetwork im öffentlichen Raum keinen Verstoß gegen die Corona-Verordnung dar, wenn Fachkräfte einzelfallbezogen Kontakt zu jungen Menschen aufnehmen (auch im Tandem).  Individuelle Unterstützung auch in den Anlaufstellen wird im Einzelfall erforderlich sein, wenn dies nicht digital oder telefonisch möglich ist.

Die allgemeinen Regelungen zum Infektionsschutz wie Abstand, Hygiene und Personenzahl sind natürlich immer zu beachten. Bei der Gewährleistung von individueller Unterstützung wird empfohlen, Einzeltermine zu vereinbaren.

Außerdem ist es empfehlenswert, die lokal zuständigen Jugendämter und Ortspolizeibehörden über die Tätigkeit der Mobilen Jugendarbeit zu informieren und wo notwendig bspw. Absprachen bezüglich der dienstlichen Tätigkeit im öffentlichen Raum zu treffen.

Gruppenangebote finden in den Räumlichkeiten der Mobilen Jugendarbeit nicht statt.

Rückfragen und Hinweise bezüglich dieser Regelungen bitte an die Servicestelle.

Soziale Folgen sichtbar machen!

Die Corona-Pandemie hat den Alltag in Deutschland nachhaltig verändert: Das geltende Kontaktverbot schränkt sowohl unsere direkte Arbeit, als auch die Lebensrealitäten unserer Adressat*innen massiv ein. In den vergangenen Wochen erschien eine Vielzahl an Empfehlungen und Diskussionsbeiträgen, die wir nochmals ergänzen möchten.

Die Abwägung über die Folgen des „Shutdowns“ und die Entscheidung diesen fortzuführen oder zu beenden liegt bei der Politik, die bisher besonnen, aber auch entschieden reagiert hat. Sie sollte unter Einbeziehung aller relevanten Erkenntnisse erfolgen – hierzu zählt, neben der Wissenschaft, auch der gesellschaftliche und soziale Bereich. Wir möchten mit diesen Positionen einen Beitrag zur Diskussion leisten, indem wir die Folgen des Shutdowns für ausgegrenzte und sozial benachteiligte junge Menschen aufzeigen. Dieser Beitrag richtet sich an Träger*innen und Einrichtungen Mobiler Jugendarbeit und bietet eine fachlich fundierte Grundlage für Gespräche mit Politik und Verwaltung. Gleichzeitig soll die Politik auf die schon jetzt sichtbaren (und für die Adressat*innen spürbaren) sozialen Folgen aufmerksam gemacht werden, die bislang nur am Rande diskutiert werden.